Wer gräbt und frisst im Garten nahezu ununterbrochen und produziert ganz nebenbei Dünger, der zu den besten der Welt gehört?

Er ist eigentlich nur ein Strich in der Landschaft und als Kind, fand ich ihn ekelig und faszinierend zugleich. Er ist stumm, mag keine Streicheleinheiten, hören kann er auch nicht und der Körperbau ist … naja … zu weich für meinen Geschmack. Trotzdem ist er eines der stärksten Tiere dieser Erde, zumindest im Verhältnis zu seiner Körpergröße.

Der rege Wurm

Du hast es vermutlich schon erraten: Es ist der Regenwurm. Vor 500 Jahren hieß er übrigens noch „reger Wurm“, weil er so fleißig ist. Mit Regen kann er eigentlich gar nichts anfangen, im Gegenteil. Regen kann für ihn zu einer tödlichen Falle werden. Nein, nicht weil er ertrinkt. Durch das Trommeln der Regentropfen bzw. der ausgelösten Vibration im Boden wird er an die Erdoberfläche gelockt und da warten bei uns auf dem Hof gierige Hühner, Enten oder Vögel. UV-Licht verträgt er übrigens auch nicht sonderlich gut.

Weltweit gibt es über 3.000 Arten. Hierzulande kommen 46 vor und im Garten begegnen wir vor allem dem Kompost- oder auch Mistwurm. Ihm haben wir es zu verdanken, wenn aus Küchenabfällen fruchtbare Erde wird.

Die Mär vom Wurm

Wenn ich an den Wurm denke, fällt mir automatisch das Märchen ein, dass ich als Kind aufgetischt bekam und woran ich sogar fest glaubte. Du hast sicher auch schon gehört, dass ein in der Mitte getrennter Wurm sich in zwei neue entwickeln kann.

Tja, das wäre schön, dann könnten wir die Würmer schnell vermehren. Das stimmt aber leider nicht. Fakt ist: Ein Wurm ist in der Lage das Vorderende mit den lebenswichtigen Organen – vorausgesetzt der Darm ist noch lang genug – zu reparieren. Meistens gelingt ihm das nicht, weil er sich durch die Wunde leicht mit Pilzen und Bakterien tödlich infiziert.

Lüften, graben, düngen

Der rege Wurm und meine Schweine Otto und Willi (siehe Beitrag: Saumäßige Unterstützung im Garten) sind die einzigen, die in meinem Garten freiwillig umgraben. Und sie haben auch noch richtig Spaß dabei. Vor allem der Wurm gräbt was das Zeug hält. Otto und Willi schlafen sich, nachdem sie so pappsatt sind, erst einmal richtig aus. Der Wurm macht weiter, er ist nie wirklich satt und schichtet dabei Nährstoffe von unten nach oben. Er ernährt sich von abgestorbenen Pflanzenresten, Blätter und Mikroorganismen. Er frisst ungefähr die Hälfte seines Eigengewichts. Und wer viel frisst muss auch viel k… Sein nährstoffreicher Kot, düngt den Garten. Bodenbiologen haben übrigens herausgefunden, dass ein Regenwurmhäufchen ein besserer Dünger ist als die gleiche Menge Kompost.

Während seiner Völlerei gräbt er dabei viele Gänge und sorgt für frischen Wind im Erdreich, dadurch staut sich keine Nässe. Die Gänge sind pro Quadratmeter bis zu 20 Meter lang und können bis zu sieben Meter in die Tiefe reichen. Das lockert den Boden und das lieben meine Pflanzen, und andere Bodenorganismen natürlich auch.

Ungefähr 100 Regenwürmer wohnen in einem Quadratmeter Boden. Allerdings fühlen sie sich nur in feuchten und lockeren Böden wohl. Die Böden konventioneller, intensiver Landwirtschaft werden da nicht wirklich mithalten können.

Ein Hoch also auf den regen Wurm in unserem Garten. Möge er immer feuchte und lockere Erde vorfinden, genügend abgestorbene Pflanzenreste und neben uns viele Freunde seiner Art.

Danke lieber Wurm 🙂

Foto: Tom Schweers